Bericht Israel

Moin zusammen,

nachdem während der „Operation Asien 2008“ der Sprungdienst in Thailand aus der C-130 Hercules nicht durchgeführt werden konnte, habe ich nach Möglichkeiten gesucht, dies nachzuholen. Die erste Möglichkeit war die Teilnahme an der Veranstaltung „Freedom Jump 2008“ in Israel. Gebucht!

Ich habe mich am Flughafen Frankfurt mit Stefan Eicker getroffen, da wir im gleichen Flieger saßen. Am frühen Morgen des Folgetages landete unser Flieger in Tel Aviv, wo wir zusammen mit Unmengen von Italienern per Bustransfer zum Hotel nach Ashkelon gebracht wurden. Um 0600 habe ich eingecheckt und noch ca. 2 Std. schlafen können. Unterbringung im Hotel war hervorragend! Die Stube war mit zwei weiteren Deutschen belegt und somit bestand keine linguistische Barriere. Am ersten Tag haben wir den Kibbuz Yad Mordechai besucht, der unmittelbar an der Grenze zum Gaza-Streifen liegt. Im Kibbuz selber war ein Museum zum Unabhängigkeitskrieg des Staates Israel und zum Holocaust. Eindrucksvoll war aber vor allem die Lebensart der Israelis unter den Bedingungen einer omnipräsenten terroristischen Bedrohung zu leben. Das Kibbuz war bereits mehrfach mit selbst gebauten Kazam Raketen beschossen worden. An diesem Tag blieb es jedoch ruhig. Wir wurden aufgeklärt, das unsere Stadt Ashkelon in der Reichweite der Katjusha Raketen liegen würde und ein Beschuss im Moment nur ausbliebe, weil der Hamas wohl offensichtlich die Raketen ausgegangen seien. Es würde jedoch die Gefahr steigen, da die Grenze zu Ägypten kurz vorher durchbrochen worden war. Zwei Tage nach unserer Abreise erfolgte der erste Raketenbeschuss auf Ashkelon.

Wir beendeten den Tag mit einem Besuch am Strand wo wir ein paar leckere Heineken tranken und baden gingen. Das Leben wie es sein sollte. Abends folgte dann die offizielle Begrüßung im Hotel durch ranghohe Mitglieder der öffentlichen Verwaltung und des Militärs.

Am Folgetag wurden wir per Bustransfer nach Tel Nov zur Luftlandeschule gebracht. Dort bekamen wir alle, nachdem die Unterlagen geprüft worden waren eine Einweisung in die verwendete Schirmtechnik und in die Absetzprozeduren. Der Ablauf und der Unterricht waren sehr professionell. Erwähnte ich, dass die Absetzerinnen durchweg gut aussehend waren? Also waren alle hochkonzentriert dabei! Im Anschluss in die Auffrischung folgte eine Vorführung von der Einheit Oketz, die die Fähigkeiten ihrer Dienst- und Spengstoffspürhunde demonstrierte. Die der Schule angegliederte Scharfschützeninpektion führte ihre Hardware ebenfalls vor. Die Streitkräfte haben alle durch die Bank weg einen sehr professionellen Eindruck gemacht und hinterlassen.

Am Abend bekamen wir im Hotel, nachdem wir wieder den Strand besucht hatten, eine Vorführung durch mehrere Kapab-Trainer. Kapab ist die Nahkampfart die bei den israelischen Spezialeinheiten gelehrt wird. Es schloss eine Übungsstunde für uns Zuschauer an, in der mancher von uns unsanft auf den Boden der Tatsachen und/oder den Teppichboden des Hotels geholt wurde.

Unterkunft im Dan Garden Hotel und die servierte Verpflegung waren auf einem sehr hohen Niveau und ich denke nicht, das irgend jemand der Teilnehmer enttäuscht war. Wobei am ersten Abend doch teilweise Bier an der Bar ausverkauft war. Dies wurde jedoch an den Folgetagen abgestellt und konnte nicht wieder beobachtet werden.

Am Montag teilte sich die Gruppe der Teilnehmer auf. Die Wasserspringer fuhren nach Ashdod, wo im Hafenbecken mit Schwimmwesten und Trainingsgurtzeugen das Landeverhalten am Schirm und das Verhalten im Wasser zwischen Landung und Aufnahme durch die Boote gedrillt wurde. Augenmerk der Teilnehmer war natürlich auf den Prozeduren und nicht auf den Absetzerinnen!

Die Landspringer fuhren früh morgens 0300 nach Tel Nov, wo die Schirme empfangen wurden und ertmal ordentlich gewartet wurde. Angrenzend an die Luftlandeschule ist auch eine Luftwaffenbasis, von der die C-130 gestartet sind. Rundkappenspringer waren in den ersten beiden Maschinen und die Freifaller in der letzten. Gesprungen wurde in Palmachim, direkt an der Mittelmeerküste. Vom Schirm her hatte man eine hervorragende Aussicht auf den Staat Israel, dessen räumliche Ausdehnung nicht die größte ist. Die Landezone war eine Sanddünenlandschaft, die mit Büschen und Sträuchern durchzogen war. Es gab nur einen Ausfall, ein südafrikanischer Springer brach sich beim Landefall den Oberschenkel, nachdem er in geringer Höhe versuchte, einer Kappe durch Slippen auszuweichen. Shit happens! Nachdem alle Springer gelandet waren wurde angetreten und der Schulkommandeur, der mit uns gesprungen war, gratulierte allen und unterschrieb die Sprungbücher. Nach französischer Tradition wurden alle Springer mit Champagner verköstigt.

Ein Punkt des touristischen Programmes war der Ausflug in die Wüste Negev. Wir besichtigten atemberaubende Landschaften, die teilweise an den Grand Canyon erinnerten, und haben eine Tour mit Land Rovern über abgelegene Pisten gemacht. Auf der Rücktour machten wir Rast in einem authentischen Beduinenzelt, wo wir arabische Mahlzeiten serviert bekamen. An das Essen folgte eine Bauchtanzvorführung.

Das Land Israel befindet sich seit seiner Gründung im Kriegszustand und viele Familien und Gemeinden haben dadurch Söhne und Töchter verloren. Wir folgten der Einladung der Stadt Ashkelon an ihrer Gedenkveranstaltung zu Ehren der Gefallenen teilzunehmen.

Der Höhepunkt des offiziellen Tourismusprogramms war zweifelsohne der Besuch Jerusalems. Auf dem Weg dorthin untrebrachen wir die Tour um das Panzermuseum in Latrun zu besichtigen. Eindrucksvoll, was dort an Fahrzeugen vorzufinden ist. Es waren sämtliche gepanzerten Fahrzeuge der israelischen Armee ausgestellt, wie auch Muster der feindliche Fahrzeugen, die in den Kriegen abgeschossen worden waren. Zur Bedeutung von Jerusalem für die vor Ort vertretenen Religionsgruppen muss nichts gesagt werden. Wir besichtigten die Klagemauer, den Tempelberg, die Altstadt und die Grabeskirche. Militärhistorischer Höhepunkt des Tages war die Besichtigung des Ammunition Hills, der von israelischen Fallschirmjägern unter hohen Verlusten während des Sechs-Tage-Krieges erobert worden war.

Am Abend haben die Teilnehmer an der Parade zum Jahrestages der Staatsgründung die in Ashkelon stattfand teilgenommen, was von der Bevölkerung, die diesen Abend mit einem Volksfest gefeiert hat positiv aufgenommen wurde.

Was natürlich noch aus stand, war der Wassersprung. Dieser erfolgte am Donnerstag und wurde von den Israelis in die an der Küste durchgeführte Militärpräsentation integriert. Tausende Zuschauer verfolgten das Schauspiel. Ich wäre gerne in einer der Maschinen gewesen, aber ich hatte meinen Sprung bereits am Anfang der Woche in Palmachim gemacht.

Am Abend folgte die offizielle Abschlussveranstaltung. Diese wurde durch ein exklusives Gala-Dinner mit Live-Musik untermalt. In diesem Rahmen wurden die Springer auch von ranghohen Militärs mit den jeweils ersprungenen Fallschirmsprungabzeichen ausgezeichnet.

Das offizielle Programm war bereits eine Reise wert. Im Anschluss bestand die Option entweder zum Toten Meer zu fahren oder in den Norden Israels zu reisen. Ich hatte mich entschieden den Norden zu erkunden und fand mich am Folgetag in den Golanhöhen wieder. Militärhistorische Exkursionen zu Schlachtfeldern der Kriege um diese Bergregion und den Grenzen zum Libanon und zu Syrien füllten die Tage ebenso, wie Exkursionen zu biblischen Stätten/Städten in der Region um den See Genezareth und zu Burgen aus der Zeit der der Kreuzfahrer. Außerdem sind wir im wahrsten Sinne des Wortes über den Jordan gegangen.

Wir besuchten des weiteren ein Kibbuz in dem wir durch hochqualifizierte Ausbilder Schießunterricht auf Pistolen und UZI's bekamen. Auch stand ein weiteres Panzermuseum, dieses von der Golani Brigade, auf dem Besuchsprogramm.

Auf der Rücktour zum Flughafen besuchten wir noch die Hafenstadt Acco (Acre). Diese arabische Stadt im Norden Israels hat eine hervorragend erhaltene Festungsanlage und Zitadelle, die von Kreuzfahrern, wie auch von Arabern und später den Briten genutzt worden war.

Die Reise hat viele unterschiedliche Eindrücke und Erlebnisse ermöglicht, die ich nicht missen möchte!

Frodo

FschJgBtl 314
2000-2001

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